Zum Hauptinhalt springen

Frauen Führung oder Teilzeit?!

Warum eine Frau Branche selten von Frauen geführt wird – und was unfreiwillige Teilzeit damit zu tun hat

Vertiefung

Anfang Juli 2026 hat das Statistische Bundesamt eine Zahl veröffentlicht, die auf den ersten Blick wenig überraschend wirkt und bei genauerem Hinsehen doch aufhorchen lässt: 30,3 Prozent aller Führungskräfte in Deutschland waren 2025 Frauen. Gleichzeitig lag der Frauenanteil bei allen Erwerbstätigen bei 47,1 Prozent. Fast jede zweite arbeitende Person in Deutschland ist eine Frau. An der Führungsspitze ist es nicht einmal jede Dritte eine Frau.

Wer das für eine Momentaufnahme hält, irrt. 1992 lag der Frauenanteil in Führungspositionen bei 25,8 Prozent. In über drei Jahrzehnten hat sich der Wert also um ganze 4,5 Prozentpunkte bewegt. Seit 2012, dem Zeitpunkt der Einführung der aktuellen Berufsklassifikation, verändert sich die Zahl laut Destatis nur noch wenig. Das ist kein Trend mehr. Das ist ein Stillstand mit gelegentlichem Zittern nach oben.

Für das Gastgewerbe ist diese bundesweite Zahl aus einem einfachen Grund besonders interessant: Die Branche ist überdurchschnittlich weiblich geprägt. Laut DEHOGA sind fast 60 Prozent der Beschäftigten in der Hotellerie und Gastronomie Frauen – deutlich mehr als im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige. Wenn eine Branche mit einer derart weiblichen Basis an Beschäftigten  aber an der Führungsspitze auf dieselben bundesweiten Muster trifft wie Branchen mit deutlich weniger weiblichen Mitarbeitenden, dann ist die Lücke zwischen Beschäftigtenanteil und Führungsanteil in der Hotellerie tendenziell größer als im Bundesdurchschnitt – nicht kleiner. Belastbare, aktuelle Zahlen speziell zum Frauenanteil in hospitality-spezifischen Führungspositionen liegen für 2025/2026 nicht in derselben Tiefe vor wie die gesamtwirtschaftliche Destatis-Erhebung, die strukturelle Schieflage lässt sich aber allein aus dem Verhältnis von Beschäftigtenanteil zu bekannten bundesweiten Führungskräfte Anteilen mit hoher Plausibilität ableiten.

Ein zweiter Befund aus derselben Datenwelt fügt sich nahtlos in dieses Bild – und ist für die tägliche Führungsarbeit sogar noch direkter nutzbar. Destatis beziffert die unfreiwillige Teilzeitquote in Deutschland für 2025 auf 4,9 Prozent von rund 13 Millionen Teilzeitbeschäftigten – umgerechnet knapp 640.000 Menschen, die gerne mehr arbeiten würden, aber keine passende Stelle mit mehr Stunden finden. Zur Einordnung: 2015 lag dieser Wert noch bei 12,9 Prozent, ist also spürbar gesunken. Innerhalb des Wirtschaftsbereichs „Handel, Verkehr und Gastgewerbe" liegt die unfreiwillige Teilzeitquote laut Destatis jedoch bei 7,1 Prozent (Stand 2024) – der höchste Wert aller Wirtschaftsbereiche, deutlich über dem Dienstleistungsbereich mit 5,0 Prozent.

Warum arbeiten Menschen unfreiwillig in Teilzeit? Eine Auswertung von EU-Arbeitsmarktdaten für 2024 zeigt ein differenziertes Bild: Bei Frauen zwischen 25 und 64 Jahren nennen 29,6 Prozent Betreuungsaufgaben (Kinder oder pflegebedürftige Angehörige) als Hauptgrund für ihre Teilzeit, bei Männern sind es nur 8,7 Prozent. Beim Grund „keinen Vollzeitjob gefunden" verhält es sich interessanterweise umgekehrt: Hier liegt der Anteil bei Männern mit 25,7 Prozent höher als bei Frauen mit 17,1 Prozent. Das relativiert eine zu einfache Erzählung – die Realität ist eine Mischung aus strukturellen Verantwortung der Betreuung, die überwiegend bei Frauen liegt, und einem generellen Mangel an passenden Vollzeitangeboten, der beide Geschlechter betrifft.

Für die Personalsituation im Gastgewerbe ist das ohnehin kein rein akademisches Thema. Die Bundesagentur für Arbeit weist für den Zeitraum Mai 2025 bis April 2026 eine durchschnittliche Vakanzzeit von 194 Tagen im Gastgewerbe aus – 30 Tage über dem Durchschnitt aller Wirtschaftszweige von 162 Tagen. Jede Stelle, die im eigenen Haus durch Aufstockung einer bereits eingearbeiteten Teilzeitkraft besetzt werden könnte, spart also potenziell Monate an Vakanzzeit, Einarbeitung und Fremdpersonalkosten.

Reflektion

Zwei Zahlen, ein gemeinsamer blinder Fleck. Die Beförderungslücke und die Teilzeit-Deckelung wirken auf den ersten Blick wie zwei unabhängige Themen. In der Praxis speisen sie sich jedoch häufig aus derselben Quelle: aus Beförderungs- und Stunden-Logiken, die nie explizit ausgesprochen wurden.

Wer eine Schichtleitung oder Abteilungsleitung neu besetzt, denkt selten bewusst „ich schließe jetzt alle Teilzeitkräfte aus". Trotzdem fällt die Wahl in der Praxis überproportional häufig auf Personen, die durchgehend Vollzeit anwesend, in Übergabegesprächen präsent und für kurzfristige Zusatzschichten verfügbar sind. Genau diese Verfügbarkeit korreliert stark mit Vollzeit – und Vollzeit korreliert wiederum, wie die EU-Daten zeigen, stark mit weniger Betreuungsverantwortung. Eine unausgesprochene Regel („Wer öfter da ist, fällt eher auf") wirkt strukturell selektiv, ohne dass irgendjemand im Haus eine bewusst diskriminierende Entscheidung getroffen hätte.

Ähnlich verhält es sich mit der Teilzeit-Deckelung. Wer als Führungskraft nie aktiv fragt, wer aufstocken möchte, verlässt sich darauf, dass Mitarbeitende von sich aus wiederholt nachfragen. Genau das tun viele nicht – aus Höflichkeit, aus Sorge, als „schwierig" zu gelten, oder weil eine erste vage Antwort („mal schauen") bereits als Absage verstanden wird. Das Ergebnis ist eine leise Form von Fluktuation: Menschen kündigen nicht aus Protest, sie wechseln einfach zum Nachbarhaus, das ihnen die zusätzlichen Stunden anbietet, die im eigenen Haus nie konkret zur Sprache kamen.

Beide Muster haben eines gemeinsam: Sie sind kein Ergebnis von Ablehnung, sondern von Nicht-Nachfragen. Genau das macht sie gleichzeitig unbequem und gut lösbar – unbequem, weil man sich eingestehen muss, wie viel im Alltag tatsächlich unausgesprochen bleibt. Gut lösbar, weil die Lösung selten ein neues Programm ist, sondern eine wiederkehrende, bewusst gestellte Frage.

Erkenntnis

Die Beförderungslücke und die Teilzeit-Deckelung sind zwei Symptome derselben strukturellen Lücke: Das Fehlen eines wiederkehrenden, dokumentierten Gesprächs über Stunden und Perspektive – getrennt von der klassischen Leistungsbeurteilung.

Ein Mitarbeitergespräch, das ausschließlich über Leistung im vergangenen Quartal spricht, deckt diese Lücke nicht ab. Es braucht einen eigenen, kurzen, regelmäßigen Termin, der zwei einfache Fragen stellt: Möchtest du mehr oder andere Stunden? Und: Wo siehst du dich in einem Jahr – und was würdest du dafür von mir als Führungskraft brauchen? Diese Fragen kosten fünf Minuten. Ihr Fehlen kostet, wie die Vakanzzeit- und Fluktuationszahlen zeigen, real messbares Geld und Zeit.

Umsetzung

Für Kührungskräfte: Führen Sie ein kurzes, quartalsweises „Stunden-und-Perspektivgespräch" pro Teammitglied ein, unabhängig vom regulären Mitarbeitergespräch. Drei Fragen genügen: Passen deine aktuellen Stunden noch zu dir? Wo siehst du dich in einem Jahr? Was bräuchtest du von mir, um dahin zu kommen? Dokumentieren Sie die Antworten kurz und stichpunktartig – nicht um zu kontrollieren, sondern um beim nächsten Gespräch daran anknüpfen zu können, statt wieder bei null anzufangen.

Für Entscheider und Inhaber: Prüfen Sie, ob Beförderungskriterien in Ihrem Haus schriftlich existieren oder nur implizit in den Köpfen der jeweiligen Führungskraft. Eine einfache RACI-ähnliche Übersicht, wer für welche Position welche Kriterien erfüllen muss, macht Auswahlprozesse nachvollziehbarer und schützt zugleich vor der unbewussten Vollzeit-Präferenz, die in der Reflektion beschrieben wurde. Führen Sie zusätzlich eine einfache Kennzahl ein: Den Anteil der Teilzeitkräfte im Haus, für die ein dokumentierter, aktueller mehr Stundenwunsch vorliegt. Ein Wert nahe null zeigt an, dass im Haus überwiegend vermutet statt gefragt wird.

Beide Maßnahmen kosten kein zusätzliches Budget. Sie kosten eine wiederkehrende, bewusst eingeplante Frage – die angesichts einer Vakanzzeit von 194 Tagen im Gastgewerbe günstiger ist als jede zusätzliche Stellenanzeige.

Quellen

— Statistisches Bundesamt (Destatis): Frauen in Führungspositionen, Pressemitteilung Juli 2026 (Datenjahr 2025).

— Statistisches Bundesamt (Destatis): Unfreiwillig Teilzeitbeschäftigte nach Wirtschaftsbereich (Datenjahr 2024/2025).

— DEHOGA Bundesverband: Zahlenspiegel / Angaben zum Frauenanteil an Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie.

— Bundesagentur für Arbeit: Vakanzzeit nach Wirtschaftszweigen, Mai 2025 bis April 2026.

— HOGAPAGE: Teilzeit im Gastgewerbe – Auswertung von EU-Arbeitsmarktdaten 2024 zu Teilzeitgründen nach Geschlecht.

Ihr Führungs-KI-BOT

– jederzeit einsatzbereit.

Kein Seminarraum, kein Warten auf den nächsten Workshop-Termin.

Jetzt Reflaktionstester werden!

Mehr…

Führungskräfte im Hotel treffen täglich Entscheidungen, für die im Alltag oft die Zeit zum Nachdenken fehlt: ein schwieriges Feedbackgespräch, ein Konflikt im Team, eine Entscheidung unter Druck. Der ClarityLead Lab FK KI-Bot ist genau dafür da – ein KI-gestützter Sparringspartner, der rund um die Uhr zur Verfügung steht, wenn Sie ihn brauchen.

Stattdessen:

Konkrete Fragen, konkrete Situationen, konkrete Klarheit – in dem Moment, in dem Sie sie brauchen. Der Bot begleitet Sie durch echte Führungssituationen, hilft beim Einordnen und Reflektieren und unterstützt Sie dabei, aus der "Empathie-Falle" herauszufinden, ohne Ihre Nahbarkeit zu verlieren.

Klarheit. Haltung. Wirkung.

– das ist nicht nur unser Anspruch, sondern das, was Ihre Führungskräfte jeden Tag spüren sollen.

Weniger…

In 30 Schritten zur klaren Führungshaltung

Der Sprung vom Kollegen zur Führungskraft ist einer der schwierigsten Übergänge im Hotelalltag – und einer der am schlechtesten vorbereiteten. Die 30 Schritte Leadership Challenge von ClarityLead Lab begleitet neue und angehende Führungskräfte 

Klarheit - Haltung - Wirkung - Schritt für Schritt in 90 Tagen & der KI-Bot ist auch dabei!

Jetzt Reflektionstester werden!

Mehr…

Genau durch diese Phase:

Mit klaren, alltagstauglichen Schritten zu Rollenklarheit, Konfliktmanagement, Feedback-Kultur und Teambildung.

Kein trockenes Seminarprogramm, sondern eine praxisnahe Vorbereitung, die dort ansetzt, wo klassische Schulungen aufhören – und dort beginnt, wo Führung im echten Betriebsalltag tatsächlich stattfindet. Als die ideale Vorbereitung für IHK- und TÜV-Qualifizierungen sorgt die Challenge dafür, dass Ihre Führungskräfte nicht nur zertifiziert, sondern wirklich vorbereitet sind.


Weniger…